Häusliche Gewalt

Der Tag hat uns beide,
glücklich und verliebt
in meinem Bett überrascht.
Mit Gewalt hat er mich an den Haaren gepackt
um mich gegen den Boden der Wirklichkeit zu schleudern.
Ich, Feigling,
habe mich nicht einmal umgedreht,
um zu sehen was mit ihr geschah.

Unter Stößen und Beschimpfungen jeder Art
hat er mich durch die vielen morgendlichen Pflichten gezerrt
ohne dass ich einen einzigen Gedanken meiner Geliebten widmen konnte.
Mit der üblichen Effizienz und Resignation
habe ich meine Aufgaben erledigt
unter der Beleidigung und den Zwängen des Tages,
gekleidet in seinem strengen Korsett einer Uhr.

Endlich
am frühen Nachmittag
nach getaner Arbeit
und mit dem Tag, der zufriedene Rülpser ausstieß
kehrte ich in mein Schlafzimmer zurück,
um das Schicksal meiner Geliebten zu erkunden.
Nicht einmal einen Zettel fand ich auf dem Bett.

Es war mir klar, dass meine geliebte Poesie
in ihrem Stolz gekränkt,
die Kreativität in Fetzen gerissen,
zu dieser Stunde
meine Wohnung längst verlassen hatte.

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